Pestrauch verkeilt
Eine verheerende Pest entleerte das eine Stunde von Luzern entlegene Pfarrdorf Meggen. Da sahen eines Tages im Loch, einem alten von Holz gebauten Hause am See, die Leute ein kleines blaues Räuchlein daher schweben und in eine kleine Spalte der Stubenwand hineinfahren. „Das ist die Pest", sagte einer der Anwesenden, ging und trieb einen Keil in selbe Öffnung. Von Stund an hörte im Orte das Übel auf. Nach vielen Jahren zog ein Glied der Familie in fremden Kriegsdienst. Als der Soldat einst wieder nach Hause kam, erinnerte er sich, wie sein Auge auf eben jene Stelle der Wand blickte, des Vorfalls und scherzend sprach er: „Will doch sehen, ob das Räuchlein noch da drinnen ist." Im gleichen Momente zog er, obwohl ihn eine Person dringend abmahnte, schnell den Zapfen und das blaue Räuchlein huschte hinaus. Die Pest, wieder befreit, streckte gleich den Vorwitzigen als erstes Opfer dahin, machte dann jenes ganze Haus aussterben und raffte viele andere im Dorf weg.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.