Der Geist mit der Buche
In der Weide Brunneren auf dem Katzenstrick bei Einsiedeln steht ein Stall, in dem sich ein Geist Quartier genommen hat. Gar oft sahen Leute ein grosses Buch auf dem Brunnentrog liegen, welches sie aber gar nicht nehmen konnten, obgleich man oft den Versuch gemacht hat. Im Stall wurde ein Mann in der Gestalt eines Mönchs mit Buch und Stock gesehen. Lag das Buch beim Brunnen und wollte es jemand wegtragen, kam der Mann mit dem Stock dem Täter nachgeeilt. Dieser ging bald da- bald dorthin an die Grenze der Weide, und Knaben hörten ihn, wenn sie in die Erdbeeren gingen, mit einem Stock an die Tannen schlagen, sahen aber nichts. Zwei weibliche Personen kamen eines Tages in die Nähe dieses Stalles, um Kümmel zu sammeln. Sie hatten ein Hündchen bei sich, welches aber nie vor ihnen herspringen wollte, wie sonst, sondern ihnen immer nachfolgte und sehr heftig bellte; je näher sie zum Stall kamen, desto heftiger. Endlich fing es ihnen an zu fürchten, und sie liefen schnell wieder nach Hause. Auf dem Heimwege war das Hündchen immer voraus und sprang so viel es konnte.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.