Meier Waldins Aichichiblin
Ein Waldin von Hasellehn war ein tüchtiger Jäger. Eines Tages begegnete er im Rotgebirg dem Berggeist. Dieser machte ihm Vorwürfe, warum er ihm alle Gemsen wegschiesse; aber zugleich bot er ihm das schönste Gut im Lötschental an, wenn er nicht mehr jagen wolle.
Der Jäger Waldin war damit einverstanden. Im Tale fand er Matten, Gebäude und Kühe vor, dass er sich ein Aichichiblin bauen konnte, gross wie ein Turm. Er wurde der reichste Mann im Tale und erreichte auch die höchsten Würden: Er wurde Meier von Lötschen.
Die Gemsen vermehrten sich wieder und wurden so zahlreich, dass sie bis ins Tal auf die Weide gingen, auch in Meier Waldins Wiesen. Wie er das sah, duldete es ihn nicht mehr, er holte seine Büchse und schoss eine.
Der Berggeist hörte den Schuss auch. Bald begann es im Berg zu rumpeln, und die Steine rollten von allen Seiten auf Meier Waldins Gut. Seine Matten wurden mit Schutt bedeckt. Das Aichichiblin wurde vom Berggeist in Stein verwandelt und steht noch heute an der Talstrasse.
LÖTSCHEN
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch