Der Stammbach
Der Stammbach floss einst in gerader Richtung vom Berge in die Lonza, und an seinen Ufern waren herrliche Wiesen.
Dort besass auch ein Jäger von Eisten mehrere Matten. Als er einst oben im Gebirge jagte, wo der Bach aus dem Gletscher quillt, gewahrte er, dass der Gletscher bedeutend zurückgegangen war und der Bach über eine lose Moräne floss. Es drohte also den Wiesen die grösste Gefahr, verheert zu werden. Darum beschloss der Jäger, die Wiesen so bald als möglich zu verkaufen.
Ein reicher Ferdner, der sonst fast überall im Tale Güter besass, war gerne bereit, die Wiesen des Jägers zu kaufen. Der Vertrag wurde abgeschlossen, und der Jäger strich das Geld vergnügt in die Tasche. Am andern Tag verheerte der Bach das ganze Gelände und verwandelte es in eine Steinwüste. Nun quälten den schlauen Jäger aber doch Gewissensbisse; er nahm das Geld und wollte es dem Käufer seiner Wiesen wieder einhändigen. Dieser nahm es aber nicht an.
LÖTSCHEN
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch