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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Schlangen in Kastel

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Kategorie: Sage

Es gibt Orte, wo die Schlangen ihre Lieblingsplätze haben. Ein solcher Ort ist der Felshügel von Kastel, Ferden gegenüber. In Kastel soll der Freiherr von Turn, der Herr des Lötschentales, eine feste Burg als Sommersitz bewohnt haben. Damals lag Kastel an der Talstrasse, die auf der Schattenseite war und von Kastel über die hohe Holzbrücke nach Ferden ging.

Als die Oberwalliser die Burg des Freiherrn in Gesteln erobert und eingeäschert hatten, kamen sie ins Lötschental. Durch einen unterirdischen Gang hatte der Burgvogt von Kastel das Schloss in Niedergesteln während der Belagerung mit Lebensmitteln versorgt. Wie nun die Feinde sich der Burg von Kastel näherten, verlor der Burgvogt allen Mut und sprang vom Turm in den Abgrund.

Heute bestehen von den Burgruinen nur mehr Steinhaufen, die von Schlangen wimmeln. So weit das Blut des Selbstmörders spritzte, geht das Reich der Schlangen.

LÖTSCHEN

Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch