Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Riedbub

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Kategorie: Sage

In Ferdenried lebte vor langer Zeit ein Vater mit seinem Sohn. Der Vater verrichtete alle Feldarbeiten allein, während der Sohn die Ziegen hütete. Als einmal der Vater einen Acker haute und der Bub sah, wie sich der Vater von Zeit zu Zeit ausruhte, sprach er zu ihm: «Vater, warum ruhst du denn immer aus?» Darauf erwiderte der Vater «Nun, so schlage du einmal eine Furche von einem Ende des Ackers zum andern, ohne zu ruhen!» Freudig nahm der Sohn die Haue zur Hand und schlug die Furche. «Nun gut», sprach jetzt der Vater, «von nun an musst du auch an die Haue!»

Dieser Riedbub ging einst nach Sitten. Dort forderte gerade ein fremder Schwinger alle zum Schwingen heraus. Da es keiner sonst mit ihm aufnehmen wollte, meldete sich der Riedbub und überwand mit Leichtigkeit den fremden Prahler. Als alle ihm zujubelten und ihm einen Lohn anboten, forderte er zwölf Mass Korn. Gerne gab man es ihm. Dann nahm er das Korn auf den Rücken und ging fürbass. Am Blattenstutz schüttelte er noch samt der Bürde Nüsse von den Bäumen herab.

LÖTSCHEN

Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch