Die Minenherren im Roten Berg
Jahrhundertelang grub man im Roten Berg nach Blei und Silber. Die Minenherren wechselten aber oft. Einer verkaufte es teuer dem andern, der dann darauf zugrunde ging. Alle stellten sich die Mine vor wie einen Baum mit vielen Ästen und meinten, der Vorgänger habe nur die Äste erwischt, er selber werde aber den Stamm entdecken.
Darum gruben sie überall nach Erz, in den Roten Matten, in den Obern Matten, in Wilärun und im Roten Graben. Jeder hoffte, er stosse auf den Erzbaum. Einer soll den Hammer genommen, in allen Gängen herumgeirrt und geklopft haben: «Ich habe genug, und wer nach mir kommt, wird auch bald genug haben!»
Noch jetzt hört man gelegentlich in diesen verlassenen Stollen klopfen, auch wenn niemand drin ist. Das seien die Minenherren vom Roten Berg.
GOPPENSTEIN
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch