Der Weihwasserstein
Nicht weit vom hohlen Stein entfernt befindet sich auf der Emser Schafalpe ein Stein, der die Form eines Weihwasserbeckens trägt. Der Wanderer kann hier voreibeigehen, wann er will, selbst bei anhaltender Trockenheit findet er hier Wasser vorhanden. Der Grund der Benennung "Weihwasserstein" ist folgender:
Ein frommer und braver Hirt hatte ein ausserordentliches Glück mit seiner Schafherde. Von den Schafen, die er Anfang des Sommers in seine Obhut nahm, fehlte im Herbst kein einziges. Als man ihn einstmals fragte was er tue, dass er solches Glück in seiner Herde habe, gab er folgende Antwort: «In der Emser Schafalpe ist eine besonders gesunde Quelle, welche die Schafe vor jeglichem Übel bewahrt.» - «Ja, dieses Wasser vermag wohl dann und wann innere Krankheiten abzuhalten, aber kann die Schafe nicht vor äussern Gefahren schützen», wendete man ein. Der gute Hirte antwortete: «Wissen Sie, dieses Wasser wird nicht innerlich, sondern äusserlich angewendet und vermag die Herde innerlich und äusserlich schützen. Nämlich morgens und abends, nachdem ich meine Andacht verrichtet habe, besprenge ich meine Herde mit diesem Wasser, und niemals habe ich Unglück.» So kommt es, dass dieser Stein seither stets Weihwasserstein genannt wurde.
EMS
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch