Unpaar Strümpfe
Ein Sigrist aus Ulrichen, mein Urgrossvater, läutete in der Heiligen Nacht die Glocken. Da hörte er die Totenprozession kommen und schaute hin. Er sah neun Personen; alle kannte er, ausgenommen den letzten. Nur sah er, dass dieser "unpaar“ Strümpfe angezogen hatte.
Nach der Mitternachtsmesse zog er seine Strümpfe aus und bemerkte, dass er selbst unpaarige getragen hatte. Da wusste er, dass die Reihe an ihn komme, und er sagte seiner Frau: «So, jetzt ist fertig für mich, jetzt habe ich zum letzten Mal Weihnachten eingeläutet!»
Und so sei es geschehen. Die andern neun starben der Reihe nach, wie er sie gesehen habe, und am Schlusse sei er an die Reihe gekommen. Jetzt, ob’s wahr ist?
ULRICHEN
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch