Der Dreifingerstein
Ein gewaltiger Granitblock auf dem Rossberg, einer Alp am hohen Rhone, ist das Naturdenkmal einer bösen Tat.
Oben auf der glatten Höhe dieses Steines finden sich drei Vertiefungen, wie durch das Hineinstecken eines Daumens, Zeig- und Mittelfingers entstanden, darum heisst er Dreifingerstein. Ein ungerechter Senn schwur daselbst einen falschen Eid und versicherte darauf: „So wenig als ich meine Schwörfinger in diesen harten Stein tauchen mag, als in Wasser - so wenig hab' ich einen falschen Eid getan." Gesagt und das Gottesurteil geschah, der Felsen gab nach wie weicher Schnee, die Fingermale prägten sich für alle Zeiten hinein. Tod ereilte den Verbrecher, nachdem er bekannt und bereut.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.