Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Geist in der Tanne

Land: Schweiz
Kanton: Luzern
Kategorie: Sage

Auf der Bramegg stand noch vor einigen Jahren eine uralte mächtige Tanne. Wenn ringsumher abgeholzt wurde, sie blieb von der Axt verschont, denn von Vater auf den Sohn vererbte sich die Warnung, diese Tanne nicht umzuhauen, weil ein Geist darin sei, und es ein Unglück absetzen würde. Steinalte Leute wollten sich erinnern, dass der Geist sei hineingebannt worden. Das konnte vor einigen Jahren der Sohn dem Vater nicht mehr glauben. Mochten die Ältern, mochten fremde Leute kummerhaft abmahnen so viel sie wollten, er hatte ausgerechnet, wie viel Nutzen die grosse Tanne abwerfen werde, und ihr Sturz war unbeugsam festgesetzt. Ja, er spottete noch und tat es zum Trotz. Er hätte es nachher nimmer getan. So wie der Baum hinfiel, traf den, der dieses befohlen, plötzlich ein furchtbarer Schmerz im Bein und kein Kräutlein war dagegen gewachsen, er musste daran sterben.

 

Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.