Erzählen
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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Hirse

Land: Schweiz
Kanton: Luzern
Kategorie: Sage

Unsern Vorfahren galt d er Hirse, wie es scheint, als bessere Speise, die besonders den Armen nicht alltäglich zu Teil wurde. Daher findet man wiederholte Verordnungen, auf festliche, freudige Tage mit Hirse aufzuwarten. Im Jahre 1587 haben die Kirchgenossen von Risch (Kanton Zug) eine streitige Sache mit ihrem Pfarrer. Sie fordern unter anderem, dass er „lut härkhomen" an Sankt Verenentag für ihre Armen einen Kessel voll Hirse hergebe. Zu Cham hörte 1798 die alte Sitte des Hirsesausteilens auf. Es geschah dies sonst am 10`000-Rittertage und es wurden 13 Kessel voll gekocht. Die vom Pfleger als die beste anerkannte Köchin erhielt ein Paar rote Strümpfe. Im Spital der Stadt Zug war verordnet, am Vorabend der vier Hauptfeste Hirse zu kochen. Für die allgemeine Beliebtheit der Frucht spricht aber besonders der Name Hirsmontag, wozu noch die bekannte Schifffahrt der Zürcher mit dem Hirsebrei nach Strassburg kommt. Am Hirsmontag, dem ersten Montag nach Aschermittwoch, feierte in Zürich die Zunft der „Schmiede“ das Kohlenkorbtragen und die Metzgerzunft hielt angeblich wegen der Mordnacht ihren Umzug mit dem „Jsengrind".

 

Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Bei dieseer Sage gibt es keine genaue Zuordnung zu einem der fünf Kantone. Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.