Wie einer das Jauchzen lernte
b)
Von seiner Mutter, einer Luzernerin aus dem Entlebuch, hörte Nationalrath I. B. Müller sel. von Wil, Kanton Sankt Gallen, als Knabe oft und gerne Sagen und Märchen erzählen, die er dann sich aufzeichnete und durch gütige Vermittlung des H. Herrn P. Gall Morel sind diese Blätter uns zur Benutzung überlassen worden.
Darin Folgendes: Es war üblich, wenn man die Kühe ab den Alpen tat, die Pferde noch dort weiden zu lassen. Mal sollte ein Senn solche Pferde heimholen. Beim Suchen verspätet, muss er in der Hütte übernachten. Erwacht aus dem Schlaf und sieht Zwerge fröhlich käsen. Sie grüssen ihn und sagen, dass die Milch, welche die Sennen verschütten, ihnen zu gut komme, wenn der Verschüttende sage „in Gottes Namen". Fluche er aber, sei sie verloren. Dann gaben sie ihm von der herrlichen Käsemilch, führten ihm zwei Pferde vor und liessen ihm die Wahl, ob er lernen wolle singen, flöten, Waldhorn spielen oder jauchzen. Er wünschte nur schön jauchzen zu können und das lehrten sie ihn so schön, dass ihm, als er auf dem Heimwege jauchzte, alle Talbewohner folgten, so ausgezeichnet machte ers.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.