Die Rettung des heiligen Kreuzes
Als im Jahr 1642 am heiligen Ostertag das Dorf Schwyz in hellen Flammen stand und jedes Gebäude von dem fürchterlichen Elemente verzehrt wurde, war oberhalb der Pfarrkirche von Schwyz eine Kapelle, genannt das heilige Kreuz, ebenfalls der Gefahr ausgesetzt. Unter der Menge Menschen, die zum Retten bereit waren, war auch ein frommer und gottergebener Mann, Büeler. In allem Eifer, so viel als möglich retten zu können, erinnerte er sich dieser Kapelle. Schnell, selbst nicht das eigene Leben schonend, eilte er dahin, um das Bild des Heilandes am Kreuze zu retten. Schon hatte er den ersten Schlag mit dem Hammer auf die Nägel getan, um dieselben heraus zu nehmen, da erhob sich das mit Dornen gekrönte Haupt und sprach: „Was begehrt mein Knecht? Eile zu andern, um ihnen zu helfen, denn für mich und für diese Gnadenstätte will ich schon sorgen." Jetzt neigte sich das Haupt und die Augen waren wieder geschlossen. Der Edle aber ging getrost von dannen, um andern hülfreiche Hand zu bieten. Wirklich geschah es so, wie das Bild gesagt hatte, denn alle Gebäude wurden vom Feuer vernichtet, und nur die leicht gebaute hölzerne Kapelle blieb unversehrt.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.