Die Auskunft nach dem Tode
Vor ungefähr 150 Jahren wurde ein Jüngling von Obwalden als Dieb im „Galgen-Mätteli" gehangen. Der damalige Pfarrer von Sarnen war sein Pate. „Wenn du nach deinem Tode noch etwas zu deiner Seelenruhe notwendig hast und mir erscheinen kannst, so tue es und sage mir, was dir mangelt.“ Er wollte ihm wenn möglich helfen, der treue, liebreiche Mann. Der Übeltäter versprach zu kommen. Am Abend nach der Hinrichtung wartete der Seelsorger lange vergeblich. Endlich um zwei Uhr erst in der Nacht kam der Geist und der Pfarrer sprach: „Götti, du kommst spät, wo bist so lange gewesen?“ - „Verzeiht Herr,“ antwortete der Gestorbene, „man kann am Galgen oft noch lange leben. Eben erst bin gestorben, ich hörte es in der Sarnerkirch noch halb 2 Uhr schlagen."
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.