Die Glocke spricht und schwitzt Blut
Die grosse Glocke zu Grossdietwil heisst die Muttergottesglocke. Früher sei noch eine grössere an deren Stelle gewesen. Im alten Religionskriege bei der ersten Villmergerschlacht seien die meisten männlichen Bewohner von Dietwil fort im Kriege gewesen. Da kamen die benachbarten reformierten Madiswiler, lösten die grosse Glocke ab und nahmen sie fort. Sie haben auch die Muttergottesglocke nehmen wollen, diese aber habe zu bluten angefangen und gesagt: „Soll ich auch lutherisch werden?" worauf sie die Berner ruhig gelassen haben.
Noch jetzt sieht man die Blutstropfen. – Bei klarem Wetter hört man in Dietwil die Glocke in Madiswil tönen, und alte Leute glauben, sie zeige damit ihr Heimweh an.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.