Rheinfallsage
Erste Version
Als noch auf dem Platze, wo jetzt Schaffhausen liegt, nur ein Kloster und eine Schiffslände waren, fischte einst dort im Rhein ein reicher und vornehmer Edelmann. Schläfrig geworden, lenkte er den Nachen in eine Bucht, legte sich im Schifflein nieder und schlief ein. Während er so im Schlafe lag, wurde der Kahn allmählich von den spielenden Wellen in die Strömung geführt, und nun trieb er schnell und immer schneller dem Rheinfall zu. Der Edelmann schlief noch immer und erwachte selbst dann nicht, als er in dem Nachen den donnernden Fall hinabgerissen wurde. – Als er die Augen aufschlug, fand er sich im Fahrzeug eine Stunde unterhalb des Rheinfalls am einsamen Ufer. Zum Danke für seine wunderbare Rettung stiftete er an diesem Orte ein Kloster, das er reich begabte, die Benediktinerabtei Rheinau.
Aus: R. Frauenfelder, Sagen und Legenden aus dem Kanton Schaffhausen, Schaffhausen 1933.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch