Die entführte Nonne vom Engental
Eine schöne und reiche Müllerstochter liebte einen braven, aber armen Burschen des Dorfes. Die Eltern widersetzten sich der Heirat. Als die Tochter nicht nachgab, sperrten sie diese ins Kloster Engental. Der Jüngling wusste lange nicht, wo die Geliebte weilte. Endlich erfuhr er durch eine alte Klosterfrau, die in Jugendtagen auch einer grossen Liebe hatte entsagen müssen, dass die Braut im nahen Kloster lebe und seiner immer in Sehnsucht gedenke. Auf Verabredung stellt die junge Nonne eines Nachts eine Kerze ins Fenster ihrer Zelle. Als der Jüngling draussen erschien und ihr ein Zeichen gab, liess sie sich an zusammengeknüpften Leintüchern, zu denen ihr die alte Klosterfrau verholfen hatte, hinab. Die Liebenden flohen noch in der Nacht in die Fremde, und keine Kunde über ihr ferneres Schicksal ist mehr ins Dorf gedrungen.
Muttenz
Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.