St. Othmarslegende
Nachdeme er [gemeint ist der hl. Othmar] zu Weerd 10 Jahr unter der Erden gelegen, ließe sich ein Mönch vernemmen: Gott habe ihme in einer Erscheinung befohlen, daß Othmari Leichnamm in das Sangallische Kloster gebracht werde. Deßwegen verfügten sich eilff Mönchen Nachts gen Weerd. Nachdem sie den Leichnamm, welcher noch unversehrt gewesen, außgegraben und zu Schiff gebracht, seye ein starker Sturmwind entstanden, der ihnen aber so gar keinen Schaden zugestattet, daß zwey nebend dem Leichnamm brennende Kertzen nicht mögen außgelöschet werden. Und als vom starken Ruderen die Schiffleüth so durstig worden, daß von dem in einer Flaschen bey sich gehabtem Wein nur noch ein wenig übergeblieben: diesere Schiffleüth aber sich erinneret der wundersammen Vermehrung des Brots Matth: XIV. und XV. habe der übrige Wein in der Flaschen sich also gemehret, daß selbige immer voll geblieben, wieviel man daraus getrunken habe. Als sie mit dem Leichnamm zu Arbon angeländet, habend sie ihn gen Sangallen gebracht und in St. Galli Kirch, nebend St. Johannis Altar beygesetzet.
Insel Werd bei Stein am Rhein
Aus: R. Frauenfelder, Sagen und Legenden aus dem Kanton Schaffhausen, Schaffhausen 1933.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch