Der Holzer
Als die Allerseelentage noch nicht eingeführt waren, habe man, wie die alten Leute wissen, noch manchen Geist umherfahren sehen. Damals war es auch, als ein junger Bursche aus Näfels mit seinem «Rolli» gegen den Obersee hinauf ins Holz ging. Gewitterstimmung hing über dem Rauti. Das flösste aber dem Burschen keine Angst ein; vielmehr gab er den warnenden Leuten verächtlich zur Antwort: «Ich fürcht mi vor em Tüüfel nüd!»
Die Arbeit lief ihm aber nicht gut vonstatten, und als er verdrossen drauflos werkte, obgleich ein starkes Gewitter losbrach, vernahm er auf einmal eine Stimme. Er schaute um sich, gewahrte aber nichts Verdächtiges. Gleich darauf krächzte die Stimme dicht über ihm: «Gang hei, oder...!» Der Holzer wartete nicht ab, bis das «Oder» erfüllt wurde, sondern liess alles liegen und floh ins Dorf hinab, als wäre der Leibhaftige hinter ihm her. Von Stund an war er ein menschenscheuer, verschlossener und ängstlicher Geselle.
Quelle: K. Freuler, H. Thürer, Glarner Sagen, Glarus 1953
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch