Das Irrlicht im Bifang
Vor hundert oder mehr Jahren stand im Bifang oberhalb Näfels ein altes Steinhäuschen, in dem ein betagtes Ehepaar seinen Lebensabend verbrachte. Die Frau gehörte zu jenen Leuten, die Leid und Unglück ahnen. So sagte ihr auch eine innere Bangigkeit, dass ihr Heimetli bald von einem schweren Unglück betroffen werde. Ihr Mann aber gab nicht viel auf derlei Ankündigungen, sondern nannte alles ein dummes Weibergeschwätz. Als die Frau schliesslich allein wegziehen wollte, befahl er ihr barsch zu bleiben, bis sie fügte und angstvoll ihrem Schicksal entgegenlebte. Dieses liess auch nicht lange auf sich warten. In einer regnerischen Nacht im Hornung löste sich am Wiggis ein mächtiger Felsblock, der das Häuschen zermalmte. Von den beiden alten Leuten sah man seither keine menschliche Spur mehr. Wenn aber die ersten Frühlingsstürme dem Wiggis entlangfuhren, vernahm man noch lange Zeit im Bifang ein seltsames Gepolter, das aus den Trümmern des Berghäuschens kam. Auch irrte ein Lichtschein umher. Lief man auf ihn zu, so wich er auf eine Entfernung von hundert Schritten, und zog man sich schaudernd zurück, so folgte einem das Licht im selben Abstand.
Quelle: K. Freuler, H. Thürer, Glarner Sagen, Glarus 1953
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch