Das Totenvolk
Zwei Älpler, die in ihre Berghäuser zurückkehrten, wurden auf «Bränden» oberhalb Näfels von der Nacht überrascht und suchten in einem nahen Stall ein Nachtlager. Sie legten sich ins duftende Heu, wurden aber nach kurzer Zeit durch ein unheimliches Gemurmel aufgeweckt, als ob eine Prozession draussen vorbeiwandle. Schnell erhoben sie sich und guckten zum Fenster hinaus. Zwei schwarz bedeckte Pferde zogen einen mit Kränzen und Blumen geschmückten Wagen talwärts, und hinterher folgte eine unendlich lange Reihe von fahlen Menschen; Soldaten, Frauen und Kinder.
Die beiden Bauern schauten dem geisterhaften Zug lange zu, und weil die murmelnde Prozession gar nicht enden wollte, fragte der eine: «Wann kommt auch der letzte?» Da hörte er einen der Geister sagen: «Der erste ist auf der Linthbrücke, und der letzte ist auf der Scheidegg, und wenn du nicht mein Göttibub wärest, so müsstest du auch mit.»
Nun merkten die Älpler, dass sie dem Totenvolk begegnet waren.
Quelle: K. Freuler, H. Thürer, Glarner Sagen, Glarus 1953
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch