Erzählen
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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Seuchenschimmel

Land: Schweiz
Kanton: Glarus
Kategorie: Sage

An einem kalten Wintermorgen stieg ein Näfelser Bäuerlein den alten Bergweg hinauf. Seine Absicht war, am frühen Nachmittag wieder mit einem Heubündel auf dem Schlitten zurückzukehren. Weil aber der Weg vereist war, wurde es Mittag, bis der Mann die Ahornenalp vor sich liegen sah. Bei seiner Hütte verschnaufte er, ass etwas und begann, seinen Heubündel aufzuladen. Die Sonne war schon hinter den Bergzacken verschwunden.

Der Bauer stellte sich zwischen die Schlittenhörner und trat mit seiner Fuhre den Heimweg an. Im Wald lag eine dämmrige Stille. Plötzlich erblickte er in einer Lichtung eine helle Gestalt. Bei genauerem Hinsehen erkannte der Bauer einen Reiter, der auf einem Schimmel durch die Luft ritt. Dabei murmelte er etwas vor sich hin, was der Mann nicht verstehen konnte. Husch war die seltsame Erscheinung wieder weg.

Der Näfelser grübelte lange darüber nach, was das wohl zu bedeuten hätte, und weil er zu keinem Ziele kam, erzählte er sein Erlebnis den Nachbarn, die aber auch keinen Bescheid wussten. Bald darauf brach im Dorf die Seuche aus, und jetzt erkannte man, dass jenes Bäuerlein dem Seuchenschimmel begegnet war.

 

Quelle: K. Freuler, H. Thürer, Glarner Sagen, Glarus 1953
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch