Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Mann ohne Kopf

Land: Schweiz
Kanton: Glarus
Kategorie: Sage

Ein Bauer in Näfels besass auf dem abgelegenen Ellenboden einen Stall. Nichts Böses ahnend, stieg er eines Abends spät noch hinauf, um ein vergessenes Werkzeug zu holen. Als er aus dem Walde trat und seinen Stall auf Rufweite vor sich sah, wandelte eine seltsame, weisse Gestalt über die Weide. Der Bauer merkte gleich, dass es ein Gespenst war, weshalb er sich schleunigst hinter einer Tanne versteckte. Das unheimliche Wesen schwebte den Weg herab auf den Bauern zu. Dieser gewahrte mit Entsetzen, dass der Geisterwandler den Kopf unter dem Arm trug und daraus zwei glühende Augen in die Nacht glotzten. Wie froh war der Bauer, als das Gespenst an ihm vorbeiglitt, ohne ihn zu bemerken. Hierauf eilte er zum Stalle. Seit jenem Abend sah man den Ellenbödeler nie mehr nachts auf den Berg steigen.

 

Quelle: K. Freuler, H. Thürer, Glarner Sagen, Glarus 1953
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch