Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Eiersegen

Land: Schweiz
Kanton: Freiburg
Kategorie: Sage

Zwei junge Burschen gingen einmal in der Nähe der Teufelsbrücke bei Corpataux auf Kiltgang. Sie freuten sich schon auf die beiden hübschen Schwestern, die sie besuchen wollten. Die Familie der beiden jungen Frauen war nicht reich, doch sie hatten so viele Eier, dass sie sie auf dem Markt verkaufen konnten. Die beiden jungen Männer waren nicht das erste Mal zu einem Stelldichein im Haus und wunderten sich, dass die Mutter jedes Mal erst die eine, dann die andere zu sich rief. Neugierig ging der eine den Frauen nach und sah, dass erst die Mutter und dann die beiden Töchter aus einem Krug tranken, der in der Küche stand. Bevor die beiden Burschen nach Hause gingen, schlich sich der eine in die Küche und trank ebenfalls aus dem Krug. Was dann geschah, erzählte er seinem Freund am nächsten Tag: "Du glaubst es nicht: Als ich am Morgen erwachte, habe ich einen ganzen Korb voller Eier gelegt!" 
"Nein!", rief der andere.
"Doch!", sagte der erste, "aber das Eierlegen konnte man noch aushalten, wenn ich nur nicht so hätte gackern müssen!"
Von diesem Tag an liessen die Burschen den Frauen ihre Geheimnisse. Wenn sie aber die beiden Schwestern geheiratet haben, so haben sie bestimmt bis heute einen grossen Eiersegen.

Fassung Djamila Jaenike, nach: P. N. Bongard,  Sensler Sagen, Freiburg 1992