Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Hexe als Doggeli

Land: Schweiz
Kanton: Basel
Kategorie: Sage

In einer Nacht erwachte ich, als sich die Türe leise öffnete und wieder schloss. Dann kratzte etwas an der hinteren Bettlade, kroch über die Bettdecke und sass mir auf die Brust. Ich konnte nicht rufen und konnte mich auch nicht mehr rühren Nach einer Weile hörte ich nur noch wie etwas vom Bett auf den Boden hinunterhüpfte.

Das geschah zu mehreren Malen. Als Täterin vermutete ich eine Frau des Dorfes, die als Hexe galt. Sie hatte auch den Pferden des Nachbars die Mähnenhaare so gezöpft, dass man sie nur mit grosser Mühe wieder auflösen konnte.

Um die Hexe zu entlarven, stellten wir einen neuen Birkenbesen umgekehrt hinter die Türe. Und wirklich, ich sah die Frau, als sie sich davon machen wollte. Ich griff nach ihr, sie konnte aber entwischen. Am anderen Tag musste ich in Amtsgeschäften in ihr Haus. Beim Fortgehen fasste ich sie scharf ins Auge und sagte: «Gäll, geschter znacht hesch gehört, wien i flueche cha!» Sie gab darauf zur Antwort: «Jokeb, hesch s Doggeli no hie und da? Hi, hi, hi!»

Augst

Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.