Cheesvreni, eine Hexe
Das Cheesvreni hausierte mit Seife u. ä. und verkaufte den Stäcklibuebe (bei der Rekrutenaushebung) Sträusse. Es wurde von vielen Leuten gefürchtet; es habe das 6. Buch Mose. Wenn es «öpperem het wellen öppis Böses atue», schaute es ihm tief in die Augen und kam dann nicht mehr in das betreffende Haus.
Es hat unsere 21jährige Schwester verhext. Bei einer Auseinandersetzung sagte es zu dieser, «si weller scho dradänke» und kam zu uns ins Haus – und dann nicht mehr. Da wurde die Schwester auf unerklärliche Weise krank. Jemand riet uns dringend: «Machet, dass es nonemol ins Huus chunnt; es cheem derno uf ihns zrugg!» Aber es liess sich nie mehr blicken. Die Schwester aber musste sterben.
S Cheesvreni sälber het fascht nit chönne stärbe, das isch si jo nit z verwundere. Wos gstorben isch, ischs gsi, wie wenn der Tüüfel us em luegti.
Liestal
Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch