Der tolle Friedli und der Landvogt
Der tolle Friedli hatte immer etwa Reibereien und kleinere Händel, weshalb er sich auf dem Schloss Waldenburg verantworten musste. Nun gehörte bei ihm auch der Landvogt zu den Leuten, auf die er einen Groll hatte. Als ihm einst zu Ohren kam, dieser habe ihn in Waldenburg im Beisein anderer einen Flegel gescholten, sagte er: «Wenn ich ein Flegel bin, so ist der Herr Landvogt ein Kornhammer», was wiederum ein Verhör nach sich zog. Der Vogt liess ihm durch den Profosen eine Tracht Prügel aufmessen. Der Weg zum Verhörzimmer führte Friedli durch die Küche, wo er im Vorbeigehen einen grossen Schinken bemerkte, den er rasch unter seinen Zwilchrock steckte, worauf er geduckt den Berg hinunter trippelte. Da rief ihm der Landvogt aus dem Fenster nach: «Gelt, Friedli, jetzt habt Ihr Euren Teil?» — «Jo, Heer Landvogt, i ha wenigschtens vierzäh Tag z ässe dra!»
Lupsingen
Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.