Die Teufelskirche am Ortstock
Zu Zeiten, da die Glarner noch Heiden waren, lag ihre Opferstätte unweit des Fätschbaches. Wohl predigte ihnen zu Glarus Fridolin das Evangelium, den neuen Glauben; manches Mannes Sinn aber blieb doch den alten Sitten, Bräuchen und Tänzen treu und den alten Festen, und der Böse freute sich darüber. Um nun auch wieder die Neugläubigen auf seine Seite ziehen zu können, gab er sich den Anschein, als hätte er sich selber gar gebessert, und lud mit viel falschen Worten das ganze Volk auf einen Tag zu einer Predigt auf die Alp am Ortstock ein. Wie nun da ihrer Hunderte beisammen waren und ihm zuhörten, da fing er an, mit schlauen, verbrämten Worten rechtes Teufelszeug zu predigen, und forderte zuletzt alle auf, ihm für ewige Zeiten Treue zu schwören. Ein Teil der also betörten Leute tat’s; die andern aber flohen in wilder Angst dem Tale zu. Sie sahen eben noch, wie die Felswand über der Alp sich spaltete und die Heiden für alle Zeiten unter sich begrub. Der Teufel aber versuchte mit beiden Händen den Sturz aufzuhalten, und so blieben die beiden Türme stehen und stehen heute noch.
Quelle: K. Freuler, H. Thürer, Glarner Sagen, Glarus 1953
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch