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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Geiger nach dem Tod

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Region: Visp
Kategorie: Sage

Ein Bauer, der sehr dem Trinken ergeben und Geiger war, forderte vom Wirt, der sein Gevattermann war, noch eine Mas Wein. Es soll sich dies in Visp zugetragen haben.

«Bring mir noch eine Mas Wein!» sagte der Bauer. «Du hast ja schon genug», gab ihm der Wirt zur Antwort. «Um Gottes Willen, bring nur noch eine Mas Wein, ich will dir nach meinem Tod dafür spielen.» — «Gut, erwiderte ihm sein Gevattermann, wenn du mir nach deinem Tode eines dafür aufspielen willst, so will ich dir noch eine Mas holen; aber dass du dein Wort haltest.» — » «Ja, wenn es Gott zulässt, so werde ich mein Wort halten.» Eines Abends spät in der Nacht, als der Wirt allein im Zimmer war, hörte er draussen im Haus einen recht lustigen Tanz spielen auf einer Geige. Als er einen Augenblick voll Verwunderung zugehört, ging er hinaus um zu sehen wer es sei. Aber weder er, noch seine Leute konnten den Spielmann finden. Am andern Tag kam die Nachricht, sein Gevattermann, der Geiger sei in der letzten Nacht und zwar um die gleiche Stunde, da wo er in seinem Zimmer den lustigen Tanz hatte spielen hören — gestorben.

 

Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch