Die Nachtlichter in Eggerberg
In Eggerberg will man in finsterer Nacht oft Lichter gesehen haben, bald nur ein grosses, das sich in viele kleinere auflöste, bald aber deren eine ziemliche Anzahl regelmässig eingeteilt umherschweifend. Man soll selbe von Visp, Stalden und Emd aus oft beobachtet haben. Herr Kaplan Mooser erzählt darüber:
Als ich noch Kaplan in Visperterminen war, 1847, ging ich eines Abends im Juni Geschäfte halber später zur Ruhe und nach zehn Uhr noch auf die Vorlaube des alten Kaplaneihauses, um der frischen Luft zu geniessen. Da sah ich ob dem Dorfe in Eggerberg in den Wiesen ein grosses Licht. Ich meinte, jemand, der das Wasser besorge, habe ein solches bei sich; aber gleich zerteilte sich dasselbe in viele kleine Lichtlein, die in regelmässiger Entfernung hin und her schwammen. Ich rief Hausleute hinzu, welche das gleiche sahen. Die Lichter zogen endlich dem Baltschiedergraben zu, wo die ersten in Feuerfunken geräuschlos zerplatzend verschwanden, die andern aber noch in den Wiesen von Eggerberg erloschen. Der Pfarrer, der auch gerufen wurde, sah nur noch die letzten.
Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch