Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

D's Morisch Loch in Zermatt

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Kategorie: Sage

In Zermatt auf Ryfel, in der Nähe des Ryfelhorns, ist eine ziemlich geräumige Höhle mit einem schmalen Eingang. Dort hauste einst ein verwilderter Schafhirt. Er ist durch das beständige Schafhüten so menschenscheu und menschenfeindlich geworden, dass er völlig verwilderte und die tägliche Nahrung nur abnahm, wenn man selbe irgendwo hinstellte und sich vor ihm nicht sehen liess; denn sobald er einen Menschen erblickte, nahm er die Flucht und verbarg sich in den Gebirgen. Nach und nach kam er gar nicht mehr zum Vorschein, trieb sich immer in der Wildnis unter den Viehherden herum und stillte seinen Hunger mit geraubten Schafen. Da die Leute den Schafräuber nicht mehr dulden wollten, suchten sie ihn zu fangen; doch ihre Mühe war vergebens. Sobald er merkte, dass man ihm nachstellte, flüchtete er sich immer auf das Ryfelhorn, zu dem nur ein einziger und gefährlicher Weg führte, den er aber stets mit solcher Verwegenheit behauptete und die Heranstürmenden mit einem so dichten Steinhagel empfing, dass diese seine Schanze zu erobern aufgaben. Man wusste nun auf keine Art ihn unschädlich zu machen, als auf ihn mit Feuergewehren, wie auf die Gemsen, Jagd zu machen, wo er dann eines Tags von einem Jäger ab dem Ryfelhorn geschossen wurde.

 

Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch