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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Godwerji-Hausfrau

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Kategorie: Sage

Ein Zermatter soll sich einst in ein Godwerji-Mädchen verliebt und selbes zu seiner Lebensgefährtin gewählt haben. Die Ehe soll nicht übel ausgefallen und sogar mit mehreren Kindern gesegnet worden sein. Nur hatte sich die Braut noch vor der Trauung ausbedungen, dass der Mann ihr etliche Schimpfnamen nie sagen dürfe. Unter diesen Namen weiss man nur noch das Wort "Holzmuoterli" zu nennen; die übrigen sind vergessen.

Einst erntete das Weib schon frühzeitig bei schönem Wetter den Weizen, als er noch unreif war. Hierüber wurde der Mann böse und sagte zum Weibe einen der ausbedungenen Schimpfnamen. Die Frau verliess auf der Stelle das Haus und kam nie mehr zum Vorschein. — Der nun verlassene Mann bereute später seine Übereilung sehr, und das um so mehr, weil er seiner Gattin einen unverdienten Verweis gegeben hatte, denn nach wenigen Tagen kam böses Wetter; es fiel Schnee und ein starker Frost verdarb alle noch nicht gesammelten Feldfrüchte vollständig.

(erzählt von Herrn Kaplan Mooser)

 

Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch