Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die fliegenden Drachen

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Kategorie: Sage

Van-ne altu Litu hät mu frühjer viel va g'firige, fleigendu Drachu g'hört, die van eim Berg zum andru g'flogu sy. We mu so eine im Flug g'seh hei, so sy in der Luft vora a grusige schwarze Chnubul oder Chnollo erschinu, der a länge g'fürige Schwanz nachgizogu hei. We schich so a grusige Dracho an am Gebirg g'nächrot hei, so miesse schich der Berg, wegu dum schrecklich Gift so er usdunste und vor schich blase, wo er ihn mit selbum anspeije, öffnu, damit er in deschi Abgründu die Goldadre und Goldbrunne ufsuochu, und durch Lecku an denselbu schich ernähru chönne; denn sottigi Drache lebe nur va Goldadru; und we der Goldbrunnu vom Dracho ufg'leckote sy, so miesse schich d's Gibirg vor der Gewalt ihres Giftes wieder öffnu; schi spanne de ihri schreckliche Fecka uf und fleige us den Abgründu umbruf, wieder zuo andre Gebirgu. — Jez seit mu gläub ich dische Drachu grössere oder chleinere g'firigi Meteoren.

 

Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch