Der ewige Jud auf dem Theodulpass
Zwischu der Monte-Rosa und dum Matterhoru ist a mächtige Gletscher, dem-mu der Augsttalgletscher oder Theodulpass seit. Da si vor alte Zittu a schöni Stadt g'stannu, zuo welcher ouch der ewig oder laufund Jud cho sy. Wil abar di dasigu Lit nu b'chent heint, was er fer Eine ist, so hät nu kei Mensch ubernachtu wellu. Wegu discher Unbarmherzigkeit hei der Ewig-Jud d'Stadt sammt de Menschu verfluocht und g'seit: Jez isch noch a Stadt; und we-ni nomal chumu, so wagst hie Gras, stähnd da Bäum und liggunt da gross Steina, und wurd mu keine Hüscher, Gasse, Mure und Turna meh g'seh. We-ni abar d's dritt'mal chumu, so wurd mu keis Chrut, kei Tannubäum, kei Hitta, kei Mura, no Gassa meh antreffu, sondru nummu Schnee und Isch old Gletscher — und das soll da so lang liggu blibu, so lang, so lang ich ohni Ruohw und Rast muoss um di ganz Welt wandru. Und so ist all's haarchlei ingitroffu, wie der laufund Jud einst prophizijod hät. A Gletscher va dri Stundu Breiti, bideckt jez dischi Gegund, wa friener a Stadt g'standu sy. Di Todtustilli wird jez nummu vam Donnru der Lowinu und Chrachu der Gletscherspaltu und Tobu und Wiethu der Winter-Gugfa unterbrochu. Di Gemschini und im Summer di fremdu Reisundu, sind d'einzigu lebundu Wesu, di mu da jez no antrifft.
Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch