Bischof Tavelli's Tod
Im Jahre 1375, den 8. August, liess Freiherr Anton vom Turm den ehrwürdigen Bischof von Sitten, Witschard Tavelli, samt seinem Hofkaplan, vom Schlosse Seta *) herabwerfen und eines gewaltsamen Todes sterben. Über diesen tragischen Fall wird in Savièse noch als Sage erzählt was folgt:
Der Bischof bewohnte im Schlosse Seta, wovon nur noch einige Ruinen stehen, ein Zimmer gegen Norden, oder war daselbst in einer Hauskapelle, in der er eben mit seinem Kaplane das Brevier betete, als die Knechte auf Befehl Antons vom Turm hereinbrachen, ihn anpackten und samt seinem Begleiter zum Fenster hinaus in den Abgrund stürzten. Der unglückliche Bischof fiel auf einen abschüssigen Felsen, von dem er weiter in eine ebene Wiese hinabpurzelte und da liegen blieb. Leute, die im Felde waren, fanden ihn noch am Leben; hoben ihn darum auf und wollten ihn nach Chandolin tragen. Am Ende der Wiese setzten sie ihn wieder ab, um ihm bei einem kleinen Brunnen das blutige Haupt abzuwaschen. — Hier starb der Bischof. — Zum Andenken an diesen Tod steckt nun jeder, der an diesem Brünnlein trinkt, ein hölzernes Kreuzlein in die Erde, deren stets viele Hunderte dastehen. Der Brunnen heisst jetzt "Kreuzbrunnen — fontaine des croix".
*) La Soie
Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch