Der Bergsteiger
In der Bergkette zwischen Saastal und Simpeln starren die zwei gewaltigen Fletschhörner (12,390 F. ü. M.) gen Himmel, deren nördliches in Simpeln Rossbodenhorn, südliches aber Laquinhorn heisst.
Glücklicher als die Mischabel in Saas lässt die Sage in Simpeln das Rossbodenhorn ersteigen. Dem kühnen Besteiger dieser nie betretenen Bergspitze ward die Rossbodenalpe als Lohn versprochen. Die wollte nun einer sich verdienen und nahm, wie ihm angeraten wurde, einen Hund, eine Katze und einen Hahn als Begleiter mit. Doch der Hahn erfror, die Katze fiel in einen Abgrund, der Hund stürzte von einem Felsen tot und der Kopf des Steigers drohte vor Schwindel nach allen vier Winden zu zerspringen. — Er kehrte heim; aber unten lachten und spotteten die Leute alle. Das verdross ihn. Da wollte er noch einen Anlauf wagen; versicherte aber zuvor sein Haupt vor dem Zerspringen durch einen starken Eisenring. Und weil nun sein Kopf sicher und auch das Herz fest wie Eisen war, so gelangte er glücklich zur Spitze und zum Besitze der schönen Alpe.
Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch