Die wunderbare Rettung
Von einem Pfarrer in Törbel wird erzählt, er habe den Kirchenschatz geraubt. Als Gefahr oblag, entdeckt zu werden, entfloh er nach Italien, wo er auf freiem Felde von Räubern überfallen wurde und so in Lebensgefahr geriet, dass er das Gelübde machte, im strengsten Orden seine Vergehen abzubüssen, wenn er am Leben bleibe. — Und sieh! in allernächster Nähe entstand helles Geklapper vieler Hufeisen, als wenn ein Trupp berittener Landjäger daher trabe. Entsetzt flohen die Räuber in aller Eile davon und liessen den Angefallenen laufen, der sich nun gerettet mutterseelenallein auf offenem Felde befand, ohne mehr die geringste Spur einer Reiterei oder irgendeiner menschlichen Hülfe wahrzunehmen. — Indes reute es ihn doch bald, ein so schweres Gelübd gemacht zu haben, und zog darum nach Rom, um sich davon entledigen zu lassen. Der Papst wollte aber keine Gnade erteilen, weil die Rettung von Oben zu offen am Tage lag; er sandte ihn in ein Trappistenkloster, wo er als frommer Büsser im Rufe der Heiligkeit starb.
Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch