Der sonderbare Traum
Von Johannes Brantschen in Zermatt wird erzählt: Es habe ihm geträumt, er werde in Sitten sein Glück finden. Anfangs achtete er auf diesen Traum nicht. Weil aber derselbe zum zweiten und dritten Male zurückkehrte, so machte er sich endlich auf den Weg, um zu erfahren, ob daran etwas Wahres sei. In Sitten angekommen, begegnete ihm ein unbekannter Mann, der ihn fragte: wohin er wolle, und was der Zweck seiner Reise sei. Er erzählte ihm seinen Traum. «Ei du dummer abergläubischer Tropf», sprach der Fremde mit spöttischem Lachen zu ihm: «Wie magst du doch solchen närrischen Träumen glauben. Mir hat auch geträumt, ich werde in einer alten Mauer hinter dem Hause, gelegen in Findeln zur oberen Thele, einen Schatz finden. Deswegen bewege ich aber keinen Fuss; ich weiss ja nicht einmal, wo der Ort Findeln ist.» Hierauf trat unser Johann den Rückweg an, zerstörte die ihm bezeichnete alte Mauer hinter seinem Wohnhause und fand da eine bedeutende Summe Geldes.
Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch