Das dreibeinige Ross in Enggersch
Aus der Neuenalpe, früher Kuhalpe jetzt aber eine Schafweide, soll ein dreibeiniges Ross nach Enggersch, Bezirk Leuk, gekommen sein und da viel Unheil angerichtet haben. Alte Männer erzählen noch mit Schauder die traurigen Vorfälle, die ihre Grosseltern von diesem Ungetüme zu erdulden hatten. Man musste in Enggersch selbst einen Mann bestellen, der abends sieben Uhr ein Glockenzeichen zur Warnung zu geben hatte; denn von halb acht Uhr bis Betenläuten am Morgen wurde im Dorfe alles, was nicht daheim war, von der schnell umhergaloppierenden Bestie tot niedergetreten. — Ein gewisser Pater Ebb hatte das böse Ross gebannt und fortan unsichtbar gemacht.
Es vermuteten aber die Leute, das dreibeinige Ross hätte nach der Bannung die Gestalt einer Bruthenne angenommen; denn von der Zeit an wurde auf dem Brunnentroge im Dorfe oft ein gereiztes Gluggi gesehen, das auch viel Schaden machte und einmal sogar einen Mann zu "Käck" zerstampft und dann mit grossem Appetit aufgepickt hat. — Einer zweiten Beschwörung soll der Spuk vom dreibeinigen Rosse ganz gewichen sein.
(erzählt von Ed. Meichtri, Student)
Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch