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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die kopflose Reiterei

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Kategorie: Sage

Die Fussstrasse, welche von Pélier aus nach St. Germain in Savièse hinanführt, ward immer etwas unheimlich geglaubt. Eine grosse Reiterei, mit kopflosen Pferden und Reitern, ebenfalls ohne Kopf, wollte man da nicht selten unter hellem Geklapper der Hufeisen auf- und abfahren gesehen und gehört haben. Ängstlich wichen die Leute von der Strasse ab und sprangen mit Schrecken durch begraste Wiesen und angebaute Felder nach allen Richtungen davon, zum Schaden der Grundeigentümer.

Dem wollte ein wackerer Feldhüter, der für sein Amt lebte, wenn möglich abhelfen. Als er eines Abends die spukhafte Reiterei auch daher traben hörte, sperrte er voll Eifer mit seinem klafterlangen, mit Eisen wohl beschlagenen Amtsstabe die Strasse ab. Die anrennenden kopflosen Pferde bäumten sich vor der vorgeschobenen Sperre hoch auf und kehrten unwillig um. Einer der Reiter aber sprach zum Feldhüter: «Wenn du nicht der Amtsmann wärest, so würden wir dich hacken wie Kraut und zu Brühe zerstampfen.»

Von der Zeit an liessen die Reiter nichts mehr von sich hören. Und wer das zuletzt erzählt hat, der trinkt noch jetzt statt Wasser lieber Wein.

 

Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch