Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der schwarze Bub

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Kategorie: Sage

Auf den Sommeralpen spielt der "schwarze Bub" oder der "Schwarze" eine wichtige Rolle.

Auf der Alpe Furg, zwischen Grengiols und Binntal, heisst eine Anhöhe "der Gräfin Bühl". Eine Gräfin sömmerte daselbst ihr Vieh. Eines Tages entführte der schwarze Bub das ganze Vieh. Die Gräfin bemerkt es, eilt sogleich auf die Anhöhe und ruft:

«Ihr Männer! Kommt geschwind und bald.
Das Vieh läuft schon über den Rosswald.»

Sie ruft's so laut, dass man ihre Stimme im Dorfe Grengiols hörte und der Schwarze still stehen musste; sie selbst aber fällt tot zu Boden.

Auf der Mattwaldalpe in Eisten entführte der Schwarze eine ganze Geissherde. Der Hirt bemerkt s, steigt schnell auf den Steinhirt (Steinmännchen, Mellig) und ruft; aber ein einziges Ziegenböcklein erblickt er noch auf der Höhe gegen Simpeln. Das Tierchen hört's und fällt tot hin. Der Hirt aber ruft zum zweiten, ruft zum dritten Mal, — da rennen in schauerlicher Eile die Geissen wieder her, zwischen den Hörnern Lorbeerblätter tragend. Der Schwarze hatte sie in den Gärten von Mailand geweidet; das armselige Ziegenböcklein hatte ihn aber verraten, und so musste er alle wieder bringen.

 

Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch