Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das lidend Chindli im Todbett

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Region: westlich Raron, Lötschental
Kategorie: Sage

En Mal hei in Lötsch'n uf weller Huob weissi nimme, es jung's Ehvolchi es chlies Chindli uberchon, und das si nen z'Tod erchranket, hei nid chene bessren und nid chene sterb'n. Der chalt Totuschweiss si mu wie Erbis uber z'Gsichtli inegitrolut. Wie's seflig lang in letzten Züg'n g'sin si und der Gottu und dü Gotta und Nachbuir'n und sust d'Stuba volli Lit mu hei well'n uisbeitun, so säge es wells: weg'n well'm hät das uschuldig Chind e so lind'n miesse? Daruf säge d'r Vatr: eimal schinert weg'n selle's nime lidu und duo sis oich schidig un uf um Tätsch gstorb'n.  Es Zittlin derna si's d'r Muottr erschin'n und hei dra

g'off'nbarut, dass's nuch e halb Stund für d'n Vat'r im Fägfür hei miess'n lid'n, eh wan dass's hei chön'n in Himm'l chon. — So wisse mu nie für well's d'uschuldigu Chindlin miesse lid'n und selle keis säge, für mich bruichtz de nit hie und nit da z'lid'n, das ist Gott aleinigu bikannt.

(Lötscher Mundart, erzählt von Pfarrer Lehner)

 

Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch