Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das Dorftier

Land: Schweiz
Kanton: Basel
Kategorie: Sage

a) Mutters Bruder war Zuckerbäcker und zur Winterszeit auch Hausmetzger. Ausserdem war er ein leidenschaftlicher Jäger. Manchmal kam er zu uns z Liecht und unterhielt sich mit meinem Bruder, der auch gerne jagte. Die zwee hai abe brichtet zsäme und «gjegeret» und «gjagt»! Als sie auch wieder einmal am Erzählen ihrer Jagdabenteuer waren, stürzte ein junges Bürschlein, der Micheli, herein und rief aufgeregt: «S Dorftier isch umme! S git ander Wätter!» Die beiden Jäger ergriffen ihre Flinten und verliessen sogleich das Haus, zum grossen Kummer unserer Mutter. Als sich Micheli gefasst hatte, fuhr er fort: «S isch under der Schuel vüre cho und übere Wäg und s Lüthis Gängli hindere. Wiene grosse Hund hets drygseh.» Zur Beruhigung der Mutter kehrten die Jäger bald wieder zurück, ohne etwas Verdächtiges gesehen zu haben.

Es kann sein, dass sich ein Schaf den Häusern genähert hatte, das s Schuemachers fortgelaufen war und dann erst nach einigen Wochen wieder zurückkehrte.

b) Bei Lüthis soll sich ein «Tier» gezeigt haben, und zwar nachts um zwölf Uhr. Ich ging auf den Anstand und schritt dorfauf und dorfab. Ich sah aber nichts als ein schwarzes Schaf durch das Gängli zwischen Haus und Garten gehen.

Anwil

Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.