Die Goldschlange
In der unentweihten Zauberwelt der Berge gibt es noch viel Sonderbares. In Felsenklüften und Mauerritzen haben die Schlangen ihren Schlupfwinkel. Eine Königin gebietet über sie. Sie trägt ein goldfarbenes Kleid, während ihre Untertanen in gelben, grauen oder schwarzen Farbenkleidern dahinhuschen. Auf dem Haupte der Schlangenkönigin prangt eine diamantene Krone im reichsten Glanz der Regenbogenfarben. Wer diese Krone gewinnen könnte, wäre reich genug für sein ganzes Leben. Aber nur selten kommt es vor, dass die Schlangenkönigin ihr kostbares Geschmeide ablegt.
Die Sage berichtet darüber einiges, so z.B. jene Begebenheit vom Schönberg, wo die Schlange zu Füssen eines Taglöhners ihre Krone ablegte; oder von einem Berner Mädchen, dem ein gleiches Glück widerfuhr. Sonst kann kein Sterblicher seine Hand nach diesem Schatz ausstrecken. Nur einem unschuldigen Kinde gelang dies. Es fütterte die Schlange mit frischer Milch, ohne zu ahnen, wie gefährlich das Tier sei, das es pflegte. Dafür kam die Goldschlange eines Tages mit einer Krone aus purem Gold und beschenkte die kleine Wohltäterin damit. Hier finden wir einen der seltenen Züge edler Dankbarkeit dieses Reptils gegen seinen WohItäter.
Quelle: Pater Nikolaus Bongard, Sensler Sagen, Freiburg 1992.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.