Die verjagte Katze
An einem späten Sonntagabend kehrte ein Bursche vom Wirtshaus heim. Allzu lange hatte er in der Wirtschaft zu Niedermuhren mit einem Kameraden gejasst. Der Heimweg führte den Verspäteten über den «Schleif» nach Obermonten. Als er sich dem Bauernhaus näherte, erblickte er auf einem Zaunpfahl eine grosse, schwarze Katze, die ihn mit glühenden Augen anstarrte. Der mutwillige Jüngling hob seinen Stecken und hieb das Tier vom Zaun auf den Grasboden, aber die seltsame Katze zeigte keine Angst. Alsogleich nahm sie den Anlauf und sprang mit einem Satz wieder auf ihren alten Standort. Wiederum holte der Bursche mit seinem Stock aus und verjagte die freche Katze zum zweiten Male. Auch diesmal floh das Tier nicht. Nochmals sprang sie auf den Zaunstock und rief dem verblüfften Nachtschwärmer zu: «Schlag mich jetzt zum dritten Male.» Darob geriet der Bursche in heftigen Schrecken. Er erkannte, dass es sich um keine gewöhnliche Katze handelte, und wagte nicht, den Stock zum dritten Schlag zu erheben. Hastig schlug er ein grosses Kreuz und nahm, so schnell ihn seine Füsse tragen konnten, den Weg nach seinem Elternhaus, ohne nur ein einziges Mal zurückzublicken.
Quelle: Pater Nikolaus Bongard, Sensler Sagen, Freiburg 1992.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.