Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Reiter ohne Kopf

Land: Schweiz
Kanton: Freiburg
Kategorie: Sage

Vor vielen Jahren war der Weiler «Zum Stein» bei Alterswil von den Nachbarn gemieden. Denn dort ging es nicht mit rechten Dingen zu. Besonders in den Quatembernächten war es im Weiler sehr ungemütlich. Wer aus irgendeinem Grunde in solchen Nächten an jenem Ort vorüber musste, der konnte unversehens einem Reiter begegnen. Der sass auf einem prächtigen Schimmel. Wenn Ross und Reiter sich dem Wanderer näherten, musste dieser die grausige Wahrnehmung machen, dass dem Reiter das Haupt fehlte. Stattdessen war nur ein blutiger Halsstumpf sichtbar, der aus der rotweissen Uniform hervorragte. War es ein gefallener Husar aus der Franzosenzeit oder den napoleonischen Kriegen? Kein Mensch wusste darüber Bescheid. Wenn dem herantrabenden Reiter ein Fuhrwerk entgegen kam, da scheuten die Pferde und wurden unruhig. Sie suchten dem gespensterhaften Reiter auszuweichen und rannten wie von unsichtbaren Kräften gehetzt wild davon. Der Reiter ohne Kopf ritt auf seinem Gespensterross bis an eine breitästige Eiche. Darunter soll ein wertvoller Schatz vergraben sein, den der gespenstige Reiter behütete. Es fand sich in der Umgebung aber niemand, der sich getraut hätte, nach dem verborgenen Schatz zu graben. So blieb er denn unangetastet bis auf den heutigen Tag und ist bis heute noch nicht gefunden worden.

 

Quelle: Pater Nikolaus Bongard, Sensler Sagen, Freiburg 1992.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.