Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Kartenleger auf Garrisalp

Land: Schweiz
Kanton: Freiburg
Kategorie: Sage

Einst lebte auf der Garrisalp ein Hirte, der sich den Aberglauben seiner Mitmenschen zu Nutzen machte. Er legte ihnen Karten vor und versicherte, daraus ihnen die Zukunft voraussagen zu können. Schon hatte ihm seine «Kunst» eine schöne Summe eingebracht, und er hoffte, ein reicher Mann zu werden. Doch dem Wahrsager sollte das Handwerk gelegt werden. Mehrere Nächte nacheinander rumorte es im ganzen Hause herum, so dass die Leute nicht mehr schlafen konnten. Der Störenfried war nicht zu entdecken. Vor dem Fenster hörte der Hirte ein Stampfen und Grunzen wie das eines Schweines, obwohl solche Borstentiere keine in der Nachbarschaft gehalten wurden. Wer dem Lärm nachging, konnte weder Spuren noch sonst eine Gestalt entdecken. Offenbar hatte hier der Böse die Hand im Spiel. Als das nächtliche Treiben dem Besitzer zu arg wurde, liess er einen Ordensmann kommen, welcher den Schabernak des Unsichtbaren abstellen sollte. Das gelang dem kundigen Mönch auch bald. Vor seinen kräftigen Gebeten und Segnungen konnte der Spukgeist nicht weiter standhalten, aber der Pater ging nicht weg von der Sennhütte, ohne dem Kartenleger eine scharfe Lektion für sein verwerfliches Treiben erteilt zu haben.

 

Quelle: Pater Nikolaus Bongard, Sensler Sagen, Freiburg 1992.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.