Das Wichtelchen auf Neuhaus
Frau P. diente in ihrer Jugend auf einem der behäbigen Bauernhöfe in Neuhaus bei Plasselb. Ihre Arbeit war unter anderem, morgens und abends die Kühe zur Tränke zu führen zum plätschernden Brunnen draussen auf dem gepflasterten Hof. Da geschah es mehrmals durch einen unerklärlichen Vorfall, dass bald das eine, bald das andere losgekettete Rind während der Tränke von unsichtbarer Hand angekettet wurde. Sobald die Stallmagd den Vorfall bemerkte, band sie alsogleich das Tier los und führte es in den warmen Stall. Hier wiederholte sich derselbe Vorfall. Kaum war die Kuh oder das Rind an der Krippe angelangt, war es auch schon von einem unsichtbaren Helfer angebunden. Es war das Werk eines Wichtelmännleins, das im Stall seinen Aufenthalt genommen hatte. Die Magd traute der Sache nicht, sie löste die Halfter wieder vom Ring, knüpfte das obere Ende um den Hals der Kuh und befestigte die Kette neuerdings an den Ring. Damit wollte sie die Einmischung des Koboldes verhindern.
Quelle: Pater Nikolaus Bongard, Sensler Sagen, Freiburg 1992.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.