Das Gäuermeitli
Zwischen Sarnen und Sachseln befand sich der Chalenberg, wo früher die armen Sünder hingerichtet wurden. Dort vorbei ging vor wohl vierzig Jahren zur Nachtzeit eine Frau. Da sah sie plötzlich auf dem Galgenplatz eine Weibergestalt, an einen Baum gelehnt, ohne Kopf, in alter Gäuertracht. Mit Schrecken erkannte die Frau selbe als das Gäuermeitli, bei dessen vor kurzem stattgefundener Hinrichtung sie selbst zugegen gewesen war. Bei diesem schauerlichen Anblick erfasste sie solche Furcht, dass sie auf mehrere Tage arbeitsunfähig wurde und lange Zeit an Fieberfrösten litt.
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch